Dienstag, 21. September 2010

Neverwinter Nights

Mit Neverwinter ist auf keinen Fall Madison gemeint, hier wird es sehr wohl und sehr tief Winter - wenn man den Gerüchten trauen darf. Neverwinter Nights ist ein Spiel, ein digitales Computer-Spiel, und noch genauer ein Roll-Playing-Game der Firma BioWare. Das durfte ich heute als Hausaufgabe für die morgige Vorlesung in "Video Games & Education" machen. Jeder musste ein Spiel wählen, dass er begleitend spielen möchte, ich habe NWN gewählt, da es erweiterbar ist - und das ist ja ein zentrales Thema unserer Arbeit: Erweiterbarkeit durch den Fachexperten. Mal schauen, wie das dort so funktioniert. Ich bin gerade auf dem Ausbildungslevel und hänge ein wenig, weil mein Avatar (die Spielfigur) es ablehnt, eine Pause zu machen, mit der Begründung, das gehe gerade nicht. Sie macht dazu keine genaueren Angaben :-(. Da werde ich dann Google fragen, wie man die Figur zum pausieren überreden kann. Pause machen ist wichtig, weil sie sonst keinen neuen Zauber lernen kann. Den muss sie aber lernen, damit sie eine Figur zerstören kann. Das ist die eigentliche Aufgabe. Der virtuelle Trainer im Spiel fragt schon mit Unterton, ob ich denn nun mal bald fertig werden möchte ...

Die eigentliche Aufgabe während des Spieles ist es, sich selbst zu beobachten und sogenannte "Annotated Fieldnotes" zu verfassen, also eine Art Log mitzuschreiben: Was tut man weshalb? Wo trifft man auf Schwierigkeiten? Wie reagiert man darauf? (Bestimmte vierbuchstabige Wörter müssen nicht alle mitgeschrieben werden ;-)) ... Ist man frustriert oder stolz oder ...

Neulich haben wir uns wieder über das Thema unterhalten, dass wir für Spielen bezahlt werden ... es gibt Schlimmeres ... aber auch (fast) etwas Besseres: Der Bruder eines Kollegen spielt professionell Online-Poker ... und hat dabei ein mehr als gutes Einkommen. Gut, bei Niederlagen-Strähnen muss er mal einige Tage freinehmen, um wieder den Kopf freizubekommen und nicht nur an Spielen zu denken. Das nennt man dann wohl Zwangsurlaub.

Montag, 20. September 2010

Kurse

In meiner Einladung an die University of Wisconsin als Visiting Scholar wurde mir auch gestattet, Kurse zu belegen - ohne Zahlung von Gebühren - nach Rücksprache mit dem Professor. Dieses Glück genieße ich zur Zeit zwei mal: Zum einem im Kurs "Game Design" von Prof. Squire, zum anderen den Kurs "Video Games & Learning" bei Prof. Steinkuehler. Das sind für mich zwei zentrale Ausbildungsschritte auf dem Weg zum bauphysikalischen Lernspiel: Wie macht man ein Spiel, das Spass macht und dabei noch lehrt?
Es gibt mehrere Dinge, die anders sind als ich es aus meinem Studium gewöhnt war:
  • Zu Beginn des Kurses haben wir einen Syllabus (Lehrplan) bekommen, in dem für jede Vorlesung an einem konkreten Datum die zu vermittelnden Inhalte sowie die notwendigen Hausaufgaben aufgeführt sind. Der für den Kurs "Game Design" ist frei zugänglich im Internet in einem Wiki, für Video Games & Learning wird die  eLearning-Plattform der Universität genutzt. (Zum Thema Lernplattform im Speziellen habe ich den Kommentar gehört: "Do not trust it" - wie sich die Aussagen doch gleichen - in Weimar gibt es den Kollegen Thomas B., der mehrfach ausgezeichneter Fehlerfinder in der dortigen Lernplattform-Software ist ;-))
  • In beiden Kursen dürfen wir ein komplettes Buch lesen, welche Kapitel zu welchen Datum gelesen sein sollten, ist auch bestimmt.
    • Im Kurs Game Design ist es ein Buch von Jesse Shell: "The Art of Game Design: A Book of Lenses". Das finde ich sehr spannend und lesbar.
    • Im anderen Kurs ist es das Buch "What Video Games Have to Teach Us About Learning and Literacy" von James Paul Gee, ein ehemaliger Professor dieser Uni, der jetzt in Arizona arbeitet. Das Buch kenne ich schon aus der Zeit in Weimar :-)
    • Und Grad-Students, also solche, die ihren Bachelor-Grad schon verliehen bekommen haben, dürfen noch ein zusätzliches Buch ihrer Wahl nach Rücksprache lesen. Ich habe habe ein Buch von Prof. Squire bekommen, das Buch wird demnächst erscheinen, zur Zeit existiert es im Word-Format ...
  • Also ziemlich viel Arbeit, der Ausbildungsstoff wird nicht in so konzentrierter Form dargeboten wie ich es erlebt habe, die Studenten sind selbst viel mehr für die "Kompilation" der Quellen zuständig- also eigentlich Studieren im ursprünglichen Sinne.
  • Für den Kurs von Prof. Steinkühler habe ich ein Flugblatt im jo2go - unsere Quelle für Kaffee -  gesehen. Das passt im Grunde zu der Beobachtung, dass hier die Uni viel mehr Wirtschaftsbetrieb ist als es in Deutschland der Fall ist.
Die Kurse sind schon zeitaufwändig und laufen nicht "so nebenbei", aber ich denke, es wird sich lohnen, diese Themen einmal richtig aufzuarbeiten.

Ach, ja, die Packers waren die "Hardest Hitter" - und zwar mit großem Kraftunterschied, denn sie haben deutlich gewonnen. Und das Problem mit dem Feueralarm beim Kochen hat sich auch erübrigt - als ich versucht habe, bei einem Alarm einen angeblichen Ausschaltknopf zu finden, hatte ich das Ding in der Hand, es hatte sich aus der Halterung gelöst. Jetzt liegt es in einer Zone, die nicht so sehr von Ausdünstungen des Kochens bedroht ist.
 

      Sonntag, 19. September 2010

      Rotes Meer

      Football ist die typische Sportart in den USA. Das Spiel ist körperlich anstrengend und knochenmahlend, fast jeder Spielzug endet damit, dass ein Spieler zu Boden gezerrt oder über den Haufen gerannt wird. Vor einigen Jahren sagte einmal ein Amerikaner zu mir: "It's all about power", ein Vorbericht zum aktuellen Spiel der Green Bay Packers (das Team Wisconsins in der NFL, der Football-Profiliga) beinhaltete die Prophezeiung: "The hardest hitter will win".  Bezeichnend finde ich es auch, dass es auf der Webpräsenz eines NFL-Teams  eine Seite der aktuell verletzten Spieler gibt. Die Anzahl der Spiele in der Saison ist daher begrenzt, in der NFL werden gegenwärtig Verhandlungen geführt, die regulären Saisonspiele von 16 auf 18 zu erhöhen.

      Das wichtigste Footballteam Madsions sind die Badgers, eine Mannschaft der Universität. Sie spielen in der sogenannten Big Ten Conference, einer College-Footbal-Liga mit Mannschaften von 10 Universitäten. Die Heimspiele werden in Camp Randall ausgetragen, einem Stadion für 80.000 Zuschauer, das 200 m von meiner Wohnung entfernt liegt. An einem Spieltag wie heute beginnen die Vorbereitungen schon um 6:00 Uhr, wenn damit angefangen wird, Open Air Bars aufzubauen, in denen das Spiel auch verfolgt werden kann. Und dann fängt es an: Immer mehr rotgekleidete Menschen sind in den Straßen zu sehen, bis zum überlaufen:



      Für die Zuschauer ist ein solches Spiel ein Fest für den ganzen Tag, sie kommen morgens zum Spielort, parken in der Nähe des Stadions,  hissen die Flagge, packen ihren Grill aus, nehmen ein Bier zur Hand und lehnen sich in ihren Stühlen am Kofferraum ihres Autos zurück. Der Fachbegriff ist "Tailgating".

      Die Tickets kosten zwischen 25 Dollar im Studentenblock (in dem traditionell gestanden wird und Hinsetzer mit Gesängen abgestraft werden) und 50 Dollar auf der Tribüne. Das Parken ist eine Einnahmequelle für einige Anwohner, die ihre Vorgärten und Hinterhöfe an fremde Autos ausliefern, und dafür Gebühren von 15 bis 20 Dollar kassieren. Nachdem schon am letzten Samstag ein Spiel stattgefunden hat, haben wir es heute geschafft, Karten zu bekommen. Im Stadion selbst sieht man vom Säugling bis zum Greis alle Altersgruppen, und jedem Zuschauer ist es erlaubt, ein eigenes Lieblingsteam zu haben, Anpöbeleien wie bei Fußballspielen in Deutschland habe ich nicht mitbekommen.
      Eindrucksvoll ist das Stadium mit seinen überwiegend in Rot gekleideten Zuschauern:

      Das war beeindruckend heute! Die Badgers haben übrigens gewonnen, mit 20:19, dank eines geblockten Zusatzpunktes.
      Einige zusätzliche Fotos gibt es noch hier. Und einen Spielbericht hier.

      Samstag, 18. September 2010

      Pfeil und Bogen

      Am letzten Samstag habe ich einer langen Jog-Runde auf dem Captial City State Trail eine Rothirschkuh mit ihren zwei schon fast ausgewachsenen Kälbern gesehen. Als ich auf dem Weg näherkam, sind sie zwar ein wenig zur Seite gegangen, aber nicht weggelaufen, in 5 Metern Entfernung bin ich vorbeigejoggt. Ich hätte sie scheuer erwartet.
      Heute lese ich dann im Wisconsin State Journal einen Artikel über "bowhunters", also Jäger, die Pfeil und Bogen benutzen. Rotwild wird hier in Wisconsin mit Pfeil und Bogen gejagt, ca. 80.000 in einem Jahr, 3 mal mehr werden mit Schusswaffen erlegt. Wisconsin ist flächenmäßig fast halb so groß wie Deutschland.
      Im Campus-zentralen Supermarkt gibt es auch einen Ständer mit ca. 20 Zeitschriften. Neben einer Triathlonzeitschrift und der Runner's World gibt es auch zwei Zeitschriften zum Thema "Jagd" zu kaufen, u.a. die "Outdoorlife".
      Weiteres Blättern in den Artikeln des Wisconsin State Journal brachte zum Vorschein, dass hier der Puma wieder heimisch wird und der Schwarzbär zum Jagdwild gehört mit einer Population von bis zu 40.000 Tieren.
      Bis jetzt hatte ich noch keine Begegnung mit diesen Tieren, das darf auch so bleiben ...

      Freitag, 17. September 2010

      0.6 Miles

      Zur Zeit laufe ich morgens öfter auf dem South-West Bike-Path. Der hat ausgehend vom Capital City State Trail alle 0.1 Meilen einen "Kilometerstein", genauer gesagt einen weißen Pfahl, auf dem in schwarzen Buchstaben die Meilen angezeigt werden. 0.1 km sind 100 m ... aber was sind 0.1 mi?!
      Vielleicht hilft - wie so oft  - Wikipedia: Da steht, das es sich um eine "Statute Mile" handelt, die 1760 yards oder 5280 feet oder 63360 inch entspricht. Also sind 0.1 mi 6336 inch. Hm, so genau wollte ich das auch wieder nicht wissen bzw. diese Zahl ist für mich auch nicht händelbar. Da hilft doch dann eher, dass 1 Meile 1609,344 Meter entsprechen. Also sind 0.1 mi ungefähr 161 m ..., 0.6 mi entsprechen dann 966 m, ungefähr ein Kilometer.
      Wenn man sich den Wikipedia-Artikel anschaut, sieht man, dass sich durchaus noch einiges an Komplexität aus dem Thema herausholen läßt ;-)

      Zusammengefasst:
      1 mile: 1760 yards
      1 yard: 3 feet
      1 foot: 12 inch.

      Donnerstag, 16. September 2010

      ToDo

      In unserem Projekt "Virulent!", also die Erstellung eines Spiels, das ein Thema aus der Virologie aufbereitet, werden natürlich auch Aufgaben verteilt. Dazu wird das die Software "Pivotaltracker" eingesetzt. Das ist eine Art einer Aufgaben-Liste im Web für Fortgeschrittene:
      • Es lassen sich Projekte aufsetzen, an denen mehrere Personen arbeiten können. 
      • Für die einzelnen Aufgaben lassen sich grobe Zeitschätzungen abgeben, die dann in Fertigstellungstermine für bestimmte Projektziele münden.
      • Einflüße des dynamischen/agilen Projektmanagements ("Scrum") lassen sich erkennen: Je mehr eine Aufgabe konkret wird, desto genauer kann sie geplant werden, bzw. es läßt sich ein "Backlog" von nachrangigen Aufgabenteilen erstellen.  
      Und das Beste ist: Man kann sich langsam hereinfuchsen ... die einzigen beiden Dinge, die erledigt werden müssen, sind a) ein Benutzerkonto anlegen und b) ein Projekt einrichten und c) Los geht's!

      Ich arbeite sehr gerne mit diesem Tool, man kann schnell ein paar Dinge loswerden, die einem gerade eingefallen sind, die Geschwindigkeit kann (fast) mit Stift und Blatt Papier mithalten. Aber natürlich gilt auch hier wie bei DropBox: Vorsicht - Mögliche Nebenwirkungen: Die Daten liegen auf einem fremden Server, und das Internet mag auch mal ausfallen können.

      Mittwoch, 15. September 2010

      Primaries

      Heute waren in Wisconsin Primaries. Das sind Wahlen, die dazu dienen, Kandidaten für darauffolgende Wahlen zu bestimmen. Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen die Wahl von Kandidaten Aufgabe der Parteien ist, werden die Primaries in den USA vom Staat organisiert und durchgeführt. Bisher kannte ich den Begriff Primaries nur, wenn es um die Bestimmung der Kandidaten für das Amt des amerikanischen Präsidenten geht. Heute aber wurden Kandidaten für den Senat, für den Gouverneursposten und für verschiedene andere Parlamente bestimmt. Insgesamt gibt es in den USA viele verschiedene Verfahren, nach denen Primaries durchgeführt werden können: Sie unterscheiden sich in Fragen wie: Muss man Parteimitglied sein, um daran teilnehmen zu können, darf man auch Kandidaten der anderen Partei wählen, wer wird denn letztendlich als Kandidat aufgestellt (z.B. können nach einem bestimmten Verfahren die zur endgültigen Wahl zugelassenen Kandidaten auch derselben Partei angehören). Irgendwie hört sich das ähnlich kompliziert an wie beispielsweise das Panaschieren und Kumulieren in Bayern oder Hessen.

      Ein Kollege hat rege von seinem Wahlrecht Gebrauch gemacht, weil er einen unabhängigen Kandidaten unterstützen wollte, andere meinten zur Frage, ob sie denn schon zur Wahlurne gegangen seien, sie seien nicht so politisch ..., na, ja, sie haben ja noch Zeit, die eigentlichen Wahlen sind erst am 2. November, sogenannte Midterm Elections, die Wahlen zwischen zwei Präsidentenwahlen. Ich kann ihnen ja von unserem Französisch-Dozenten Marc erzählen, der sagt: Eine Grundvoraussetzung für einen Schein ist die Teilnahme an der Wahl!